Mathe macht Täter dingfest

von Dr. Albert Kapune

Mathe und Forensik

Langsam werden die Tage wieder länger – die dunkle Jahreszeit ist vorbei. Langfinger nutzten auch in diesem Jahr die kurzen Tage, um in Häuser einzubrechen. Langfristig kommen nur Wenige damit durch, denn irgendwann sind die Spuren zu dicht – und einen Tatort ohne Spuren gibt es nicht. Doch was kann man aus Spuren lesen?

 

Drei Alde-Schüler nahmen sich vor dieser Frage auf den Grund zu gehen. Dabei konzentrierten sie sich auf eine bestimmte Art von Spuren: Fußabdrücke auf feuchtem Boden. Als Daten erhielten sie also die Schuhgröße sowie die Schrittweite. Welche Rückschlüsse lassen sich daraus wohl ziehen?

 

»Unsere Idee war, dass kleine und große Menschen ungefähr gleiche Körperproportionen haben. Mit der Methode der Regression wollten wir so Formeln ermitteln, um von diesen Daten auf die Körpergröße zu schließen.« erklärt Lorenz Butterweck.

 

Das funktionierte mit der Schuhgröße ganz gut – aber bei der Schrittweite gab es massive Probleme. Die Alde-Schüler untersuchten den Gang ihrer Mitschüler. Sie baten sie dabei »normal« zu gehen. Diese Daten zeigten keinen Zusammenhang von Schrittweite und Körpergröße. Sie probierten viele Versuchssettings – doch das Ergebnis war immer das gleiche.

 

Delia Hendricks: »Wir wollten das Projekt schon vorzeitig beenden – uns war klar, dass die Psyche eine große Rolle spielt. Wenn man jemanden sagt er soll normal gehen achtet er besonders auf seinen Gang – das verfälscht die Ergebnisse.« Erst eine Videoanalyse viel begangener Plätze brachte wieder einen Fortschritt: Der maximale Schrittwinkel ist in unbeobachteten Situationen recht konstant. »Daraus kann man schließen, dass die Information Schrittweite nur wertvoll ist, wenn man sicher sein kann, dass der Einbrecher nicht bewusst auf seine Schrittweite geachtet hat.« erläutert Marvin Sommer.

 

Die Schüler hatten noch viele weitere Ideen, die zur Verbrechensbekämpfung beitragen könnten. Bei diesem Projekt war jedoch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik zentral – denn die Untersuchungen ersetzten ihre Facharbeit. »Bei Forschungsprojekten weiß man vorher natürlich nicht, ob die eigenen Thesen zutreffen oder nicht – sonst bräuchte man ja keine Forschung. Das vorliegende Projekt ist ein Musterbeispiel für die nötige Passung von Frage und Methode sowie die eingeschränkte Gültigkeit wissenschaftlicher Aussagen.« erklärt Dr. Pallack, der das Projekt betreute. Trotz aller Forschung im Bereich der Verbrechensbekämpfung wird man also auch weiter auf menschliche Intuition und Erfahrung vertrauen müssen. Irgendwie beruhigend!

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